Knast für Doping

  • Im französischen Rennsport soll es ab dem 1. Januar 2020 für Dopingvergehen auch eine strafrechtliche Verfolgung inklusive Gefängnisstrafen geben. Diese Rechtsfolgen sollen nicht schon dann eintreten, wenn die Reste einer tierärztlichen Behandlung zum Renntermin noch nicht abgebaut waren, sondern nur in den Fällen, wo gezielt zur Rennmanipulation gespritzt wurde. Diese Information gebe ich zunächst nur unter Vorbehalt, da ich in Frankreich selbst dafür noch keine Quelle gefunden habe. Die Information stammt aus der italienischen Turfpresse.


    Was man aber sicher sagen kann: Im französischen Turf brennt schon seit geraumer Zeit der Baum wegen der virulenten Dopingfrage. Vor einigen Wochen hatte der Dachverband France Galop deswegen eine einstündige Sitzung mit den Trainern angesetzt. Etliche Trainer hatten sich beschwert, dass einige Kollegen seit geraumer Zeit geradezu sensationelle Ergebnisse produzieren, die sie in der Statistik weit nach vorne katapultiert hätten. In der Kritik stehen vor allem vier Trainer, deren Namen ich hier aber nicht nenne. Da nichts bewiesen ist, gilt die Unschuldsvermutung. Hauptsächlich im Fokus der Verdächtigungen steht ein Trainer, der zuvor neun Jahre lang als VIP-Betreuer in einem bekannten Nachtclub auf den Champs-Elysées tätig war.


    Die heißesten Doping-Tipps, die in der Trainerszene kursieren, nennen sich AICAR, ITPP und TB-1000. Bis vor Kurzem waren diese drei Mittel von den Dopinglaboren der Galoppverbände noch gar nicht nachweisbar. Fünf zertifizierte Labore soll es weltweit laut France Galop geben. France Galop macht geltend, dass sein Labor diese Mittel inzwischen entdecken könne und dies wohl zeitlich sogar noch vor Hongkong geschafft habe. Diese Substanzen sollen eine starke Formverbesserung bewirken können, gleichzeitig für die Pferde aber gesundheitlich sehr schädlich sein. Komisch nur, dass dies in der Werbung von TB-1000 alles ganz anders klingt. Ein Mittel, das zur Leistungssteigerung von Rennpferden im Rennen entwickelt worden sei, dabei jedoch ohne verbotene Substanzen und ohne schädliche Nebenwirkungen:

    https://www.tb-1000.net/

  • Da es sich bei den obengenannten „Wundermitteln“ um Substanzen zur Leistungssteigerung im Ausdauerbereich handelt, sind grundsätzlich Galopp- und Trabrennpferde gleichermaßen als Absatzmarkt interessant. Wie aber verhalten sich die Aufsichtsbehörden Direktorium und Traber-HVT in dieser Causa? Ich weiß es nicht und schaue daher erst mal neugierig in das Galoppergesetzbuch. Was sagt die Rennordnung des Direktoriums etwa zum TB-1000?


    In der Rennordnung gibt es verschiedene Kategorien von Doping-Substanzen. Da TB-1000 zu den körpereigenen Peptiden gehört, ist hier die Kategorie mit festen Grenzwerten einschlägig. Diese Substanzen sind somit erlaubt, solange der jeweilige Grenzwert eingehalten wird. Bei dem beliebten Kobalt zum Beispiel sind es bis 0,1 Mikrogramm im Milliliter Urin. Und bei den Peptiden? In der Rennordnung erlaubt sind „Peptidhormone und Analoge innerhalb der physiologischen Referenz“. Sehr bizarre Aussage. In der Tiermedizin werden die physiologischen Referenzwerte sonst immer entweder mit einer einzelnen Zahl oder aber mittels einer Toleranzspanne mit Streubereichsgrenzen (Minimum/Maximum) angegeben. Eine solche konkrete Festlegung fehlt hier bei den Peptidhormonen. Ein mauscheliger Trainer würde daraus den Schluss ziehen: Prima, dann darf ich eben mit Peptiden dopen, bis die Schwarte kracht!


    Für Pferde empfiehlt der Hersteller von TB-1000 als Dosis, sechs Wochen lang jeweils eine Ampulle mit 5 ml pro Woche zu geben. Was aber passiert, wenn ein Trainer öfter oder mehr spritzt? Dann ist es wohl irgendwann nicht mehr „innerhalb der physiologischen Referenz“...


    Als Testlabor nutzt das Direktorium das Institut für Biochemie der Universität Köln. Dort wurde bereits 2014 eine Methode zur Bestimmung von ITTP (einem der obigen anderen „Wundermittel“) im menschlichen Urin entwickelt, zumindest im theoretischen Laborversuch. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass nun auch Rennpferde in der Praxis untersucht werden. Weil wir abweichende skeptische Meinungen nicht unterschlagen wollen, hier der Kommentar eines anonymen Internet-Users, der schon im März 2015 den Nutzen von ITPP bei Rennpferden so bezweifelte:

    The ITPP story is a classical case of over-hyped sporting journalism. The racing industry responded rapidly to the threat of ITPP use and routine screening of samples has been performed in many laboratories for over 2 years. No cases of ITPP use were ever detected, in large part because there is no ITPP available to the market. Only one horse preparation was detected with trace quantities of ITPP present in the world. Trace quantities is not enough. Effective dosages appear to be around 500 mg/kg which in a 500 kg horse means that a single dose is as much as 250 g of ITPP. The racing laboratories couldn’t even afford to do a single administration trial given the high dose rate and the exorbitant cost of this drug. Even if ITPP were available and affordable this would not necessarily make it a successful doping agent. ITPP did make mice perform more athletically (all the work on ITPP to date has been in rats and mice) but rodents are notoriously poor athletes. Showing increased performance in a human or a highly bred racehorse may be another thing.“


    Über die Verwendung des dritten Wundermittels namens AICAR im Leistungssport schrieb die Süddeutsche Zeitung im letzten Juli dies: https://www.sueddeutsche.de/sp…ance-2019-aicar-1.4530571


    Aufschlussreich wäre die Beantwortung dieser Frage: Lassen Direktorium und HVT deutsche Rennpferde auf die in AICAR, ITPP und TB-1000 enthaltenen Substanzen standardmäßig im Labor untersuchen, ja oder nein? Beim DVR/Sport-Welt-Forum am kommenden Samstag in Düsseldorf ist das „Tierwohl im Galopprennsport“ eines der vier Themen. Da wäre Gelegenheit für die Teilnehmer, mal ein paar kritische Fragen zu stellen.

  • Im SPIEGEL (siehe Santa Anita-Thread) hat Michael Vesper über die seiner Meinung nach tadellose Dopingpolitik des Direktoriums referiert. Dazu meine Antwort morgen hier an dieser Stelle.


    Im vorliegenden Beitrag soll es um das Drumherum des Aufruhrs in der französischen Trainerszene und besonders um die Rolle der Medien dabei gehen. Genau genommen: die Nicht-Rolle der Medien. Im französischen Turf ist die Bedeutung der Medien ähnlich wie bei uns gelagert: Tageszeitungen und Fernsehen interessieren sich kaum für Pferderennen, und die Fachpresse wird von einem übermächtigen Verlag dominiert.


    Einer der wegen Dopings verdächtigten Trainer war früher Jockey für den Zar der Turfpresse, vielleicht erklärt dies das laute Schweigen von Paris-Turf. Eher zum Lachen fand ich die Meinungsverschiedenheit zwischen Paris-Turf und France Galop. Früher veröffentlichte die Rennzeitung immer die Entscheidungen der Rennleitung, doch inzwischen nicht mehr. Das Turfblatt wollte künftig dafür bezahlt werden, wobei der Dachverband aber nicht mitspielte.


    Einige Trainer haben sich bei France Galop auch wegen der kriminellen ausländischen Tierärzte beklagt – ein Phänomen, von dem ich bis dato noch gar nichts wusste. Mich erinnert das Ganze an die Einbrecherbanden vom Balkan, die eine Tour durch Deutschland unternehmen und sich dann wieder ins Ausland absetzen. Im Franco-Turf soll es ausländische Tierärzte geben, die extra zur Behandlung anreisen und hinterher schnell wieder verschwinden. France Galop hat sich diesbezüglich hilflos gezeigt.


    Der tatsächliche oder angebliche Dopingskandal hat Trainer aus ganz Frankreich mobilisiert, weil die in der Kritik stehenden Trainer nicht nur aus einem einzigen Trainingszentrum kommen. Einer dieser Trainer betreibt sogar eine weit entfernte Filiale, die von einem erfahrenen Praktiker geleitet wird, der jedoch selber keine Trainerlizenz besitzt. Besonders interessant für die Medien hätte eigentlich ein ungewöhnliches Duo sein müssen, bestehend aus einem extrovertierten Trainer und seinem umtriebigen Racing Manager. Ihren Erfolg führen die Beiden, die nicht nur beruflich ein Paar sind, auf eine klare Arbeitsteilung zurück: der Trainer kümmert sich um die Pferde und der Racing Manager um die Besitzer. Einige Trainerkollegen glauben dagegen, dass Doping im Spiel sein muss, wenn Pferde aus Verkaufsrennen geclaimed werden und sich innerhalb weniger Wochen um zehn Kilos/Längen steigern.

  • Milkshakes machen munter, Herr Vesper!


    Wie im letzten Beitrag angekündigt, hier nun meine Antwort auf Michael Vespers vollmundige Erklärung im SPIEGEL zum Thema Doping.


    Hört man das Wort „Milkshake“, dann denken die Meisten an McDonalds oder vielleicht an den Kultfilm „Pulp Fiction“. Kurz bevor es da zu der atemberaubenden Twistszene der beiden Hauptdarsteller kommt, fragt John Travolta seine Partnerin Uma Thurman ungläubig: „Ein Fünf-Dollar-Shake?“ Beim Pferderennen gibt es auch Milkshakes, aber da geht es um andere Summen.


    Beim aktuellen Ballyhoo im französischen Turf diskutiert man über plötzliche unerklärliche Leistungssteigerungen von Rennpferden. Einen ähnlichen Fall gab es vor zwei Jahrzehnten auch in Deutschland bei einem niederrheinischen Galopprennstall mit starker Affinität zum Trabersport. Das Direktorium lehnte sich damals für seine Verhältnisse weit aus dem Fenster, unterstellte Doping („Wir wissen, daß Sie was geben, wir müssen es nur noch finden“ laut GALOPP INTERN), konnte letztlich aber nichts beweisen. Die Ergebnisse der Dopingproben wurden nie veröffentlicht. Im niederländischen Trabrennsport war seinerzeit eine Praxis populär, die in Australien schon ein Jahrzehnt zuvor der Renner war: „Milkshake“. Das bedeutet, dass harmloses Natriumbicarbonat (= Backpulver) zusammen mit Wasser und Zucker das hinzugefügte eigentliche Dopingmittel verschleiert. Doch der Clou an der Sache war: Selbst ohne Hinzufügen eines weiteren Dopingmittels bringt allein schon das Natriumbicarbonat eine Leistungssteigerung. Ein Test bei Rennpferden über die Meilendistanz ergab eine Leistungssteigerung von knapp drei Sekunden. Durch Stabilisierung des intrazellulären pH-Wertes spürt das Pferd die Müdigkeit nicht so rasch und kann darum schneller laufen.


    In der Rennordnung des Direktoriums heißt es heute dazu, dass verfügbares Kohlendioxid bis 36 mmol im Liter Blutplasma erlaubt ist. Früher war es sogar 37. Der natürliche Wert bei Pferden liegt aber deutlich darunter. Die Sicherheitsmarge dazwischen könnte ein unredlicher Trainer grundsätzlich dazu nutzen, um das zu tun, was in der Branche „herandopen“ genannt wird. Allerdings immer verbunden mit dem Risiko, dass der Wert dann im Einzelfall mal jenseits der erlaubten Grenze überschießt. Außerdem war die Anwendung in der Praxis mit dem Einsatz einer Schlundsonde nichts für zartbesaitete Seelen. Bei falscher Handhabung der Schlundsonde landete der Milkshake in der Lunge des Pferdes statt im Magen und verursachte einen qualvollen Tod. Mittlerweile gibt es längst verfeinerte Methoden ohne Sonde.


    Wenn man realistisch ist, muss man anerkennen, dass die Dopingbetrüger zeitlich immer eine Länge Vorsprung haben werden, weil sie ständig neue Substanzen benutzen, auf die die Sportverbände und Dopinglabore erst langsam reagieren müssen. Ein ausländischer Futtermittelhersteller, der heute nicht mehr existiert, pries sein Produkt früher so an: „In der von uns genannten Dosis wird Ihr Pferd nicht Doping-positiv getestet. Da dieser Dopingtest nur vor dem Rennen vorgenommen wird und der Milkshake nur vor dem Rennen nachgewiesen werden kann, können Sie die empfohlene Dosis auch erhöhen, wenn bei diesen Veranstaltungen keine Vor-Rennen-Dopingproben abgenommen werden. Nach dem Rennen können diese Substanzen nicht nachgewiesen werden.“ Ist das nicht wirklich dreist? Da wird in der Werbung quasi zum Rennbetrug aufgefordert. Und zwar, weil der Hersteller genau wusste, dass die meisten Rennsportverbände gar nicht die finanziellen Mittel haben, um solche teuren Tests systematisch durchzuführen. Für Dopingtests von Rennpferden gilt dasselbe wie für Tests von Leitungswasser: Gefunden werden kann nur das, wonach man sucht. Beim Leitungswasser ist das nur ein Bruchteil der tatsächlich vorhandenen Schadstoffe.


    Den Teilnehmern des Düsseldorfer Forums am kommenden Samstag kann ich nur raten: Fragen Sie doch Vesper/Pommer mal, ob das Direktorium regelmäßige Milkshake-Tests VOR dem Rennen macht! Nach meiner Einschätzung hat der zur Sparsamkeit verpflichtete Dachverband gar nicht das nötige Geld dazu.


    Im Protokoll einer Präsidiumssitzung des Traber-HVT vom September 2005 hieß es: „Auch die Bi-Carbonat-Problematik soll in der Kommissionsarbeit intensiv bearbeitet werden.“ Ach, wie schön! Schon zwei Jahre zuvor hatte Andy Schwarz am 6. August 2003 im damaligen Traberforum verkündet: „Aufgrund der „Mobilmachung“ des Ladytrabs, aber zum Großteil durch die „Bitte“ von Marion Jauß, und Besitzern wie die der Familie Mommert sah man sich beim HVT gezwungen schnellstens zu agieren. Mit der praktischen Durchführung von Kontrollen gegen den „Milk-Shake“-Missbrauch wird sofort begonnen.“ (Zitat Ende) Und wie sieht es beim HVT im Jahre 2019 aus?


    Am Schluss hier noch ein Schmankerl zum Weglachen, wie „professionell“ die Dopingpolitik des Direktoriums ist. Sie erinnern sich, im ersten Beitrag dieses Threads hatte ich über das Peptid-Medikament TB-1000 geschrieben. In der aktuellen Fassung der Rennordnung des Direktoriums heißt es dazu, erlaubt seien „Peptidhormone und Analoge innerhalb der physiologischen Referenz.“ In meinem Archiv habe ich noch den Text einer früheren Fassung der Rennordnung. Da hieß es, erlaubt seien „Peptidhormone und Analoge außerhalb der physiologischen Referenz.“


    Ohne konkrete Zahlen ist es eh wurscht. Alles klar, Herr Vesper?

  • Bei den Milchshakes fällt mir allerdings immer automatisch siedend heiß

    das Gelsenkirchener und Dinslakener Stallgelände der

    der 90er und Ende 80er ein.


    Und da zuvorderst Diejenigen, die Diese dort

    ganz öffentlich eingeflößt haben. Und mit dafür

    gesorgt haben, nachdem dies natürlich auch in

    den westdeutschen Tribünen die Runde machte,

    das die Tribünen und auch die Bookieläden von

    Renntag zu Renntag leerer wurden.


    Und die Farce schlechthin, stellen sich heute obendrein,

    bzw. werden heute auch als die Retter

    des Deutschen Trabrennsports hingestellt.


    Gehörten und gehören eher zu den Totengräbern.

    Siehe insbesondere Gelsenkirchen und Dinslaken,

    die ehemaligen Hochburgen des DTS.

  • Es ist schon merkwürdig, was für Nebelkerzen manche Fachleute des Galoppsports so werfen. Als ich vor langer Zeit zu Besuch auf dem Weilerswister Hof bei Christian von der Recke war, weilte auch sein Veterinär Dr. Thomas Weinberger gerade vor Ort. Ich nahm die Gelegenheit wahr, den Doc mal nach der Verwendung von EPO im Galopprennsport zu befragen. Sein Kommentar: „EPO ist im Rennsport kein Thema. In England wurde eine Unmenge getestet, aber es gab keinen positiven Fall.“ Weinbergers hessischer Kollege Dr. Stephen Eversfield pflichtete ihm 2009 in der FRANKFURTER RUNDSCHAU bei: „Epo soll zu mehr Ausdauer verhelfen, die ist im Galoppsport nicht so wichtig. Davon abgesehen wäre die Dosierung bei bis zu 500 Kilogramm schweren Pferden sehr teuer.“


    Freunde der Sonne, ich glaub euch kein Wort! Ausdauer soll im Galopprennsport nicht wichtig sein? Im Dressursport stimmt das, aber bei Rennpferden ist Ausdauer doch elementar, wie gerade das Milkshaking beweist. GALOPPONLINE berichtete bereits 2007 von einem EPO-Fall in Australien. Im Oktober 2006 vermeldete eine amerikanische Rennsport-Website: „The Pennsylvania Equine Toxicology and Research Laboratory in West Chester, Pa., is the first lab in the world to confirm the presence of EPO or Darbepoetin-alfa in a horse, according to a release from the Pennsylvania Harness Racing Commission.“ Bei drei kanadischen Trabern wurde getestet und etwas gefunden. Herr Vesper, die Kanadier haben dann das gemacht, was Sie in Deutschland auch mal tun sollten: nämlich den Täter mit abschreckender Wirkung hart bestrafen. Der kanadische Trabertrainer wurde für zehn Jahre gesperrt und bekam eine Geldstrafe von 100.000 Dollar.

  • Fakten für Herrn Vesper


    Nur große und finanzstarke Rennsportländer wie Frankreich und Hongkong können sich die technisch aufwändigen und damit teuren umfassenden Dopingtests leisten. Die Liste der von France Galop für Proben-Analysen von Galopprennpferden zugelassenen Dopinglabore besteht aus nur fünf Instituten weltweit: die von France Galop und dem Hong Kong Jockey Club verwendeten Labore in diesen beiden Ländern, sowie drei weitere Prüfstätten in Großbritannien, den USA und, erstaunlicherweise, auf der Insel Mauritius. Das ist die Champions League der Dopinglabore, die wissenschaftlich state-of-the-art sind. Das vom Kölner Direktorium beauftragte Uni-Labor zählt anscheinend nicht dazu.


    Das „alte“ EPO und das „neue“ AICAR werden in der Rennordnung von France Galop in Artikel 198 ausdrücklich als verbotene Substanzen erwähnt, die Rennpferden auf gar keinen Fall verabreicht werden dürfen. In der Rennordnung des Direktoriums werden in Nr. 540 die verbotenen Substanzen aufgezählt, allerdings nur einige Obergruppen. Ich gehe davon aus, man hätte auch nicht die technischen Möglichkeiten, EPO und AICAR zu entdecken, aber die Teilnehmer des Düsseldorfer Forums sollten das die Herren Vesper und Pommer ruhig mal fragen.


    Hier ein paar Fakten laut France Galop, was man bei den Galoppern in Frankreich gegen Doping tut:

    • ein Jahresbudget von mehr als zehn Millionen Euro (offenbar inkl. Traber)
    • Kontrollen von allen der jährlich 7.300 Galopprennen bei mindestens einem Pferd
    • jährlich 11.272 Proben (Blut und Urin) von den 77.757 Startern
    • im Jahre 2016 Dopingproben in 240 Rennställen bei unangemeldeten Trainingskontrollen

    Auch das Direktorium führt unangemeldete Trainingskontrollen durch. Zu meiner Zeit war der ehemalige (inzwischen verstorbene) Hindernisjockey Frank Venhoda mit Kollegen dafür zuständig, aber natürlich verursachen Reisen der „Venhoda Boys“ von Köln zu weiter entfernten Trainingszentren wie München oder Dresden erhebliche Kosten. Also kann man sich vorstellen, wie oft solche Kontrollen durchgeführt werden.

  • E-MAIL AN MICHAEL VESPER


    Die folgende E-Mail habe ich soeben an Michael Vesper ins Direktorium geschickt:


    Sehr geehrter Herr Dr. Vesper,


    in Ihrem Leserbrief im SPIEGEL haben Sie behauptet: “Für die Gesundheit der Pferde und einen sauberen Sport kontrollieren wir konsequent.” An dieser Aussage habe ich als langjähriger Beobachter des Galopprennsports meine Zweifel. Sicher hat Ihnen Marina Hintze schon über meine Beiträge im Galopperforum zu dem Thema berichtet:

    www.trottoforum.de/forum/index.php?thread/431-knast-für-doping/


    Ich fasse meine dortigen Fragen an Sie so zusammen:


    1) Lässt das Direktorium regelmäßig Dopingproben auf das ”alte” Dopingmittel EPO untersuchen?


    2) Lässt das Direktorium regelmäßig Dopingproben auf die in den “neuen” Dopingmitteln AICAR, ITPP und TB-1000 enthaltenen Substanzen untersuchen?


    3) Wie oft pro Jahr nimmt das Direktorium vor dem Rennen Dopingproben betreffend sogenannte “Milkshakes”?


    4) Wie erklären Sie es, dass die Nr. 539 der Rennordnung Peptidhormone und Analoge zunächst außerhalb der physiologischen Referenz” und in der aktuellen Fassung der Rennordnung nun innerhalb der physiologischen Referenz” erlaubt?


    5) Ist es nicht völlig sinnlos, in einer rechtlichen Strafvorschrift von einer physiologischen Referenz zu sprechen, wenn man diese nicht gleichzeitig mit Zahlenwerten für Minimum und Maximum konkret festlegt?


    Nach meinem Eindruck hat das Direktorium für umfassende Dopingtests wie in Frankreich nicht die nötigen finanziellen Mittel und das von Ihnen beauftragte Institut für Biochemie der Uni Köln teilweise auch nicht die technischen Voraussetzungen, da es nicht zu den fünf international akkreditierten Spitzenlaboren für Dopingtests bei Rennpferden gehört.


    Eine Kopie dieser Mail sende ich an Ihren langjährigen publizistischen Wegbegleiter Claudio Catuogno. Ihre Antwort, für die ich mich schon im Voraus bedanke, werde ich ebenfalls an die Süddeutsche Zeitung weiterleiten.


    Mit vielen Grüßen

    Frank Henschker

  • So arbeiten die Franzosen


    Das Institut für Biochemie der Uni Köln untersucht in erster Linie Dopingproben von menschlichen Athleten, und das Galopper-Direktorium ist dort nur Kunde, hat somit keinerlei Einfluss auf Investitionen, Arbeitsmethoden und Forschung. Ganz anders die Franzosen. Die beiden Dachverbände der Galopper und Traber, die im Wettbereich zusammenarbeiten und dort die Wettfirma PMU gegründet haben, tun das Gleiche bei der Dopingbekämpfung. Das gemeinsame Labor nennt sich abgekürzt LCH und sitzt in einer Kleinstadt ein paar Kilometer südlich von Paris. Daneben betreibt man in der Normandie ein Forschungszentrum, in dem Untersuchungsmethoden für neuere Dopingmittel getestet werden. Ganz klar, wenn die Dopingbetrüger ständig aufrüsten und neue Dopingmittel erfinden, muss auch die Aufsichtsorganisation des Rennsports dauernd technisch nachrüsten. Das LCH beschäftigt 65 Angestellte, und nach den neuesten Zahlen für das Jahr 2018 beträgt das Jahresbudget inzwischen schon knapp 12 Millionen Euro.


    Warum das alles so teuer ist, sieht man an einem Beispiel. Bisher dauerten Analysen auf das Dopingmittel EPO 80 Minuten, doch nachdem man für 90.000 Euro ein neuartiges Testgerät in Dänemark gekauft hatte, dauert derselbe Test nun nur noch weniger als 12 Minuten. Das Kölner Institut für Biochemie analysiert natürlich auch Proben von menschlichen Athleten auf EPO

    https://www.dshs-koeln.de/inst…hoden/erythropoietin-epo/

    aber ob das Direktorium auch Dopingproben von Galoppern auf EPO untersuchen lässt, müsste uns Herr Vesper sagen.


    Aus dem französischen Pferderennsport hat das LCH letztes Jahr 29.576 Dopingproben untersucht, wovon nur 69 positiv waren. Das sind lediglich 0,23 % bei französischen Pferderennen. Das LCH untersucht allerdings auch Proben von ausländischen Pferderennen, und dort waren es nicht 0,23 %, die positiv waren, sondern gleich 5 %. Aus diesen Daten kann man die Schlussfolgerung ableiten: Französische Pferderennen werden wesentlich korrekter gelaufen als die in den Nachbarländern. Doch auch in Frankreich macht man sich Sorgen wegen der ständig steigenden Kosten für die Dopingbekämpfung. Was passiert, wenn es finanziell abwärts geht in der französischen Wirtschaft und damit auch im Franco-Turf? Muss dann nicht auch Geld bei der Dopingbekämpfung eingespart werden? Vielleicht wäre das dann unvermeidlich, aber es wäre zweifellos verhängnisvoll, weil der Rennsport vom Vertrauen sowohl der Wettkunden als auch der Pferdebesitzer abhängt.

  • Zunächst ein erklärender Hinweis für den Forumskollegen bergkoenig: Ich kann nicht ständig alle Sportjournalisten in Deutschland persönlich anrufen, um ihnen meine Botschaften zu überbringen.Deshalb die Beiträge hier zentral und auch noch für später abrufbar in der „Mediathek“. Wenn z. B. ein Sportjournalist im Internet über Doping im Galopprennsport recherchiert und speziell die Tags „Doping“, „Galopp“ und „AICAR“ verbindet, bekommt er bereits auf der ersten Ergebnisseite bei Google diesen Knast-Thread im Trottoforum angezeigt. Nur darum geht’s. Und, mal Hand auf's Herz, bergkoenig: Bei welchem der rennsportlichen Mainstream-Medien bekommen die Leser solche Hintergrund-Infos wie hier? Ich sage immer scherzhaft, die Turfjournalisten werden nicht für das bezahlt, was sie schreiben, sondern dafür, was sie nicht schreiben.


    Das Direktorium antwortet


    Erfreulicherweise hat das Direktorium auf meine obigen, auch per E-Mail gestellten Fragen zum Doping geantwortet. Dafür vielen Dank. Die ungekürzten Antworten von PR-Leiterin Marina Hintze habe ich in kursivem Fettdruck unter die jeweiligen Fragen gesetzt.


    Frage: Lässt das Direktorium regelmäßig Dopingproben auf das ”alte” Dopingmittel EPO untersuchen?

    Marina Hintze: „Ja. Der deutsche Rennsport folgt einer Null-Toleranz-Politik. Ein Pferd, das unter dem Einfluss von Medikamenten oder dopingrelevanten Substanzen steht, ist nicht zum Rennen zugelassen. Die Dopingkontrollproben werden gemäß eines Standard-Test-Menüs untersucht. EPO erfordert gesonderte Zusatzanalysen, die regelmäßig im Wettkampf und bei Prerace-Kontrollen nach internationalem Standard durchgeführt werden.“


    Lässt das Direktorium regelmäßig Dopingproben auf die in den “neuen” Dopingmitteln AICAR, ITPP und TB-1000 enthaltenen Substanzen untersuchen?

    Dies ist bisher nicht der Fall. Wir sind mit dem Institut für Biochemie, Köln, im Austausch. So werden z.B. aktuell die international verbindlichen Grenzwerte für AICAR festgelegt.“


    Wie oft pro Jahr nimmt das Direktorium vor dem Rennen Dopingproben betreffend sogenannte “Milkshakes”?

    Diese Proben werden seit dem vierten Quartal 2018 unmittelbar vor dem Start genommen. Im Jahr 2019 wurden 48 Pferde getestet.“


    Wie erklären Sie es, dass die Nr. 539 der Rennordnung Peptidhormone und Analoge zunächst “außerhalb der physiologischen Referenz” und in der aktuellen Fassung der Rennordnung nun “innerhalb der physiologischen Referenz” erlaubt?

    Die Rennordnung spricht seit 2008 von „innerhalb der physiologischen Referenz“.“


    Ist es nicht völlig sinnlos, in einer rechtlichen Strafvorschrift von einer physiologischen Referenz zu sprechen, wenn man diese nicht gleichzeitig mit Zahlenwerten für Minimum und Maximum konkret festlegt?

    Die Rennordnung wird derzeit in diesem Punkt und in anderen Punkten überarbeitet.“


    FAZIT

    Als Resümee können wir festhalten, dass das Direktorium die Bedeutung des Themas Tierwohl absolut verstanden hat, wie man auch auf dem kürzlichen DVR-Forum in Düsseldorf feststellen konnte. Beim Doping geht es aber nicht nur um das Tierwohl, sondern außerdem auch um den Schutz von Pferdebesitzern und Wettern. Wenn kriminelle Trainer und solche, die es werden wollen, die obigen Antworten studieren, wissen sie, wo die Lücken im System sind. Diese bald zu schließen, wird sicherlich nicht am mangelnden Willen des Direktoriums scheitern, sondern eher an finanziellen und technologischen Grenzen im deutschen Turf. Was Marina Hintzes Auskunft zum Dopingmittel AICAR angeht: Warum handhabt das Direktorium es nicht so strikt wie die Schweizer Kollegen? Im Schweizer Pferderennsport ist AICAR bei Galoppern und Trabern (ohne Grenzwert) in jedem Fall verboten, weil ein derartiges Aufputschmittel zu keinem Zeitpunkt in ein Rennpferd gehört. Auch die oben im ersten Beitrag dieses Threads erwähnten neueren Dopingmittel ITPP und TB-500 (jetzt TB-1000) sind anders als bei uns im Schweizer Turf verboten.

  • Andere Länder, andere Sitten


    Es gibt nichts, was einen Traberfreund mehr auf die Palme bringt, als wenn ein arroganter Galopper abfällig über die Sulky-Fraktion spricht. Beim Thema Doping und insbesondere bei den Milkshakes war dies aber auch berechtigt. Die Milkshake-Spur zog sich von den Trabern in Australien über die Traber in den Niederlanden bis zu den Trabern in den USA. Erfreulicherweise gibt es hier nun etwas zur Ehrenrettung der Traber beim Doping zu vermelden.


    Zunächst aber ein Blick auf die Zahlen, wie häufig im Rennsport eigentlich im Training Kontrollen stattfinden. Die IFHA, die weltweite Organisation der rennsportlichen Dachverbände, hat dazu Daten veröffentlicht. Aufschlussreich sind die Zahlen derjenigen Rennpferde, die 2015 im Training auf Doping getestet wurden:

    Belgien: null

    Deutschland: 29

    Frankreich: 799

    Japan: 5.083

    Klar, es ist alles eine Sache der Finanzen.


    Wie unterschiedlich die Praxis der Rennsportländer beim Doping ist, war ja schon Thema in einem früheren Beitrag weiter oben. Für das Mittel AICAR hier noch ein Vergleich: Im Schweizer Rennsport ist es generell bei Galoppern und Trabern verboten, während in Frankreich die beiden Fakultäten getrennte Wege gegangen sind. Bei den Trabern ist AICAR verboten, doch bei den Galoppern findet keine Erwähnung in der Rennordnung statt, und es ist somit immer noch erlaubt. Das ist deshalb erstaunlich, weil bereits im Jahre 2014 die Veterinäre der IFHA einen vorübergehenden Schwellenwert von 600 ng/mL im Urin bei AICAR für angemessen hielten, wollten damals aber noch keine direkte Empfehlung aussprechen. Im Jahre 2017 versendeten dann die französischen Dachverbände der Galopper und Traber diesen gemeinsamen Brief:

    www.france-galop.com/sites/default/files/note_aux_entraineurs_2017.pdf

    in dem mitgeteilt wurde, dass folgende neuere Dopingmittel verboten seien:

    ITPP, AICAR, GW1516, TB-500 (jetzt TB-1000) und Cobratoxin (aus dem Schlangengift der Kobra).

    Während die französischen Traber dies in ihre Rennordnung übernahmen, taten die Galopper dies nicht. Meine Schlussfolgerung: Ein Galopptrainer kann bisher sowohl in Deutschland als auch in Frankreich AICAR anwenden, ohne Ärger befürchten zu müssen.


    Für die Trainer der am Breeders' Cup 2019 in Santa Anita Park startenden Pferde gab es ein 157 Seiten starkes Handbuch für die Vorbereitung der Rennteilnahme. Dort wurde unter den verbotenen Substanzen auch AICAR aufgeführt.

  • Start in die neue Zeitrechnung


    – so betitelt die heutige Ausgabe der SPORT-WELT auf Seite 4 eine Fotostrecke, auf der ein Kran das neue grün-weiße Logo an der Nordseite des Direktoriums aufhängt. Toll! Ein neues Logo draußen an der Wand, und schon ist auch drinnen alles wie neu.


    Eigentlich wollte Michael Vesper auf dem Sportbusiness-Event SPOBIS am Donnerstag den neuen Markenauftritt des Direx der Presserunde persönlich erläutern, aber weil sein Zug von Köln nach Düsseldorf Verspätung hatte, konnte er nur hinterher eine Pressemitteilung herausgeben. In der Rennzeitung lautet der O-Ton Vesper: „Unsere neue Markenwelt ist attraktiv, zeitgemäß und eingängig. Sie macht deutlich: Im Mittelpunkt all unserer Aktivitäten steht das Wohlergehen der Pferde.“


    Wer in diesem Thread die obigen Ausführungen zum Thema Doping gelesen hat, wird hingegen daraus die Erkenntnis gewonnen haben, dass das Direktorium weder das nötige Geld noch das technische Know-how in seinem Vertragslabor hat, um die Einhaltung des Wohlergehens der Pferde wirksam zu überwachen. Leider kommt diese nüchterne Erkenntnis in einem Bericht der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG über den Galopper-Auftritt auf dem SPOBIS überhaupt nicht zum Tragen:

    https://www.sueddeutsche.de/sp…-in-die-zukunft-1.4778464


    Für den journalistischen Anspruch, den die SZ an sich selbst stellt, ist dieser schnelle, oberflächliche Journalismus eindeutig zu wenig. Aber es wird dadurch auch ein grundsätzliches Problem des deutschen Turfjournalismus deutlich: Es lohnt sich für Tageszeitungen wirtschaftlich überhaupt nicht, für eine abstürzende Randsportart wie den Galopprennsport kompetentes Fachpersonal vorzuhalten. Abgesehen vom Eigenbericht der SZ haben sonstige Medien sogar meist nur eine Agenturmeldung des Sportinformationsdienstes über den Galopper-Auftritt auf dem SPOBIS abgedruckt.


    Das angebliche Bemühen des Galopper-Dachverbandes um das Wohlergehen der Pferde ist für mich nur eine Nebelkerze, um renitente Organisationen wie PETA ruhigzustellen. Im Mittelpunkt der Aktivitäten des Direx steht nicht das Wohlergehen der Pferde, sondern die finanziell wichtige Gewinnung einer neuen, jüngeren Zielgruppe, wie man dem Bericht im FOCUS entnehmen kann:

    https://www.focus.de/sport/meh…r-galopp_id_11610194.html

  • Im französischen Pferderennsport bekamen diverse Trainer, hauptsächlich aus dem Trabersport, kürzlich per Post einen Verkaufskatalog aus den Niederlanden zugeschickt, in dem ganz offen verbotene Dopingmittel angeboten wurden. Es handelt sich unter Anderem um die hier oben schon zitierten Mittel ITPP und TB-1000. Ob auch deutschen Trainern dies angeboten wurde, ist mir nicht bekannt. Wie man aus dem obigen Interview mit Marina Hintze ersehen kann, hat Deutscher Galopp noch keine Möglichkeit, diese Mittel zu entdecken und zu sanktionieren. Es wäre in Deutschland also risikoloses Dopen. Da könnte der eine oder andere Trainer schon auf den Gedanken kommen, seiner Erfolgsquote etwas nachzuhelfen. Ein möglicher Fingerzeig könnten ungewöhnliche Ergebnisse in der Trainerstatistik sein.

  • Wundert mich nicht. Lief in den 80/90ern

    insbesondere in Ge und Din doch ähnlich mit dem Spritzenwagen.

    Unterschied, da kamen sie rüber und gewannen

    hier bspw. in der Hammelklasse in 1.19 Heute in 1.16. und schneller.

    Das Gerücht, das sie inzwischen Mittelchen besitzen,

    die hier nicht mehr nachweisbar sind, kreist im Wettcenter Ge

    schon seit Monaten.


    Ist der Hauptgründ, warum hier vor Ort nur noch sehr Wenige was mit

    dem Hollandsport zu tun haben wollen.

    Deshalb hier auch vom Volkssport zur absoluten Bedeutungslosigkeit.

    Aber gelten ja heute als Retter des westdeutschen Trabrennsports.

    Die Farce schlechthin.

    Denn hiesige Besitzer und Wetter gingen und gehen daraufhin.


    Mich würde es durchschütteln, müßte ich ihnen hier im Westen nach fast jedem

    Rennen die Hand zum Glückwunsch reichen.

  • Die Online-Doping-Apotheke


    Die Firma, die aus den Niederlanden den Dopingkatalog verschickt hat, soll laut Medienberichten „Taylormade Horse Products International“ heißen. Dazu habe ich im Internet nichts gefunden, aber eine Firma, die fast genauso heißt: „Taylormade Horse Supplies International“. Dieses australische Unternehmen unterhält Büros in Sydney, Hongkong und Kentucky.


    Heutzutage kann man ja fast alles im Internet kaufen, warum dann nicht auch Dopingmittel für Pferdetrainer? Und so bietet Taylormade seine Palette von 50 verschiedenen Produkten auch online an. Hier sind sie der Reihe nach mit Foto, Preis und Bestell-Button aufgelistet:

    https://www.taylormadeequine.com/race-horse-supplements/

    (Leser, die des Englischen nicht mächtig sind, können dort oben rechts den deutschen Google-Übersetzungsknopf drücken)


    Darunter die auch in diesem Knast-Thread schon ausführlich diskutierten Mittel AICAR und TB-1000, aber auch „Cobalt Plus“ und „High Performance Milkshake“. Man erinnert sich, die Milkshakes fanden einst ihren Weg vom australischen Trabrennsport zum niederländischen Trabrennsport und von dort aus auch nach Deutschland. Es wäre völlig weltfremd zu glauben, dass der deutsche Turf nun von den neuen Möglichkeiten keinen Gebrauch machen würde.


    Der eine oder andere Leser wird sich bestimmt fragen, ob Jan Pommer angesichts dieser Sachlage nicht Strafanzeige bei der Polizei stellen müsste. So einfach ist die rechtliche Lage leider nicht. Taylormade hat sich zunächst mit dieser Klausel abgesichert:

    Disclaimer: Any use of Taylormade Horse Supplies' products must adhere to the rules of racing in their state or country.“

    Das erinnert an die Glücksspiel-Werbung im deutschen Fernsehen mit der Formel „nur legal für Einwohner von Schleswig-Holstein“. Natürlich glaubt niemand, dass die Unternehmen die teure Fernsehwerbung nur für ein paar Fischköppe im hohen Norden schalten würden... Und in welchem Rennsportland ist es erlaubt, Kobalt zu applizieren?


    Außerdem muss man festhalten, dass Doping mit AICAR und TB-1000 im deutschen Galopprennsport leider noch völlig legal ist, weil Deutscher Galopp es bisher nicht geschafft hat, entsprechende Verbote festzuschreiben. Bei Milkshakes gibt es Grenzwerte, und Herandopen bis dorthin ist erlaubt. Für intelligente Trainer gibt es also genügend Möglichkeiten, legal zu dopen. Ein Trainer, der sich wegen Dopings erwischen lässt, gehört völlig zu Recht bestraft, und zwar wegen Dummheit.

  • Die von Ihnen (Racingman) angesprochenen Milchshakes

    wurden von den Herren im Stallgelände Ge und Din ganz öffentlich ohne

    jegliche Skrupel eingeflößt. Ein fürchterlicher und erschreckender Anblick.

    Als diese Vorgehensweise wie ein Lauffeuer durch

    die Tribünen geisterte, wurden Diese von Renntag zu Renntag zusehends leerer.

    Grenzwerte hin oder her, für die Leute war es so oder so Doping.

    Zumal die Meisten von Grenzwerten nichts wußten, wenn doch, Diese nicht kannten.


    Bekanntestes Opfer der Grenzüberschreitung war 2jährig Russel November,

    der daraufhin nicht am Gold-Pokal teilnehmen durfte.

  • Naja!

    Dass im Pferdesport genauso gedopt wird wie in jeder anderen Einzel-Sportart auch, sollte eigentlich jedem normal im Leben stehendem Menschen klar sein.
    Wenn ich jetzt schreiben würde, von den letzten 50 Tour de France Sieger waren vermutlich 49 gedopt, dann würden die Meisten hier nicht viel dagegen sagen.

    Wenn ich schreiben würde von den letzten 50 Traberderby Siegern waren vermutlich 35 gedopt, sähe es sicher anders aus. Deswegen würde ich natürlich nie sowas behaupten!

  • ... gezielte falschinformationen, verbreiten von halbwahrheiten, streuen von zweifeln, meinungsmanipulationen... verunsicherung und panik heraufbeschwoeren....hysterie erzeugen... im nachhinein oft halbherzige entschuldigungen...man hat es doch nur gut gemeint für das allgemeinwohl... dann eigene stellung um 180 grad drehen und wieder geht es von vorne los.. eine der geisseln der heutigen zeit... für mich eine der größten... schlimmer als krebs... investigativer journalismus... jetzt auch hier im forum... danke für die information?... nein, danke für nichts...


    edith :... empfehle auch den beitrag "warnung an die trainer" von trabinside zu lesen...

  • Weiß zwar das ich wohl nicht gemeint bin.


    Die Geschehnisse der holländischen Gäste, die ich beschrieben habe,

    sind nun mal Tatsachen und werden auch sie nicht in Abrede stellen können, Herr Einstein.

    Noch live vor Augen, die Einflößung der Milchshakes, wie auch den Spritzenwagen des Herrn JB.


    Auch werden sie nicht in Abrede stellen können,

    das die Leute hier vor Ort den Gastsiegen oder besser gesagt 1-2-3 seitdem nur noch

    wenig bis gar kein Vertrauen mehr entgegenbringen.

    Hier standen Supertote wieder auf, die auch die äußeren Spuren

    nicht scheuten, um dann überlegen zu gewinnen.

    Und dann beim nächsten Start wieder vor die Wand liefen.

    Selbst Leute hier vor Ort, die aus dem Sport kommen,

    haben sich deshalb schon seit dieser Zeit nach Frankreich abgewandt.


    Der reine Bahnumsatz lag in Ge am Donnerstagabend inne 700tsd DM

    Und Montags in Din ebenso.

    Die 70-90tsd Euro heute in Ge aus komplett Deutschland, die 50-60tsd

    in Din ebenso.

    Was ich damit sagen will, der Umsatzeinbruch ist ua. gerade deshalb genau

    auf diesen beiden Bahnen weit weitaus

    ausgeprägter, als bspw in Mariendorf oder Hamburg.



    Aber Frascati,

    ist doch unser schöner Sport, da ist alles Takko.

  • Hier standen Supertote wieder auf, die auch die äußeren Spuren

    nicht scheuten, um dann überlegen zu gewinnen.

    Und dann beim nächsten Start wieder vor die Wand liefen.


    Wenn es denn wirklich so einfach wäre - glauben Sie nicht, dass es nach 3 Wochen auch diverse deutsche Trainer gegeben hätte, die ihren Pferden Shakes verabreicht hätten, wenn es die von Ihnen beschriebene Wunderwirkung gab? Drüben - alles Betrüger und Dauer-Doper - bei uns nur Ehrenmänner im Sport, die niemals Dopen würden? Das ist eine komische, wenig realistische Sicht auf die Welt. Wenn auf eines Verlass ist beim Doping, dann darauf, dass sich neue Wundermittel in Windeseile verbreiten. Und auch vor Grenzen nicht halt machen. Weil hinter der Verbreitung dieser Mittel immer Leute stecken, die mit deren Verkauf eine Menge Geld verdienen...

  • Rede nicht nur von den Milchshakes, was bei den Besuchern und Wettern

    schon schlimm bis fürchterlich genug ankam,

    auch von dem Spritzenwagen (übernommen von der Fachzeitschrift HEAT)

    Dessen Besitzer hier auch Seriensieger vorführte.

    Die Welle von Beidem kam eindeutig woher ?

  • Es geht hier in meiner Aussage um Racingman und dessen Aussage.


    Was den Beitrag hier betrifft, so spricht er von einer Nichtnachweisbarkeit der angebotenen Stoffe. Ich zweifle dies an, da ich nicht glaube, dass der User Racingsman weiß, nach welchen Stoffen in einer Dopingprobe gesucht wird. Dazu auch die Aussage von France Galop vom Directeur Général Adjoint,Henri Pouret und für LeTrot vom Directeur Technique, Guillaume Maupas: "Die oben genannten Firmen bieten zahlreiche Moleküle an, die in die Categorie II fallen, ITPP, TB 500, TB 1000, Wachstumshormone usw. Diese Produkte sind bereits Gegenstand der Anti-Doping-Kontrollen in Frankreich und ihr Auffinden ist für die betrautem Labore kein wirkliches Problem."


    Da die europäischen Dopinglabore sehr stark zusammen arbeiten würde es mich wundern, wenn es in einem Land entdeckt würde und in einem anderen nicht.

  • Herr Gruber, im Gegensatz zu Ihnen bin ich als Privatier vom deutschen Turf finanziell und emotional völlig unabhängig. Das Doping-Thema ist, wie Sie oben nachlesen können, durch eine autorisierte Stellungnahme des Galopper-Dachverbands medienrechtlich wasserdicht abgesichert. Noch mehr an Glaubwürdigkeit geht nicht.

  • Gruber Andreas

    Geht es hier um die Interpretation des Glückspielvertrages oder um Doping ? Wollen Sie sagen, dass Racingman nicht mehr glaubwürdig ist,

    weil er bei einem anderen Thema nicht 100% richtig lag. Frei nach dem Motto "wer einmal lügt dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht" .

    Solch eine Art der Argumentation ist mir zuwider.